Sie sind in Graz geboren, in Gleisdorf aufgewachsen. „Hier habe ich das Gefühl, die Luft hat Vitamine“, haben Sie einmal gesagt. Das ist so ein poetischer, so ein schöner Satz. Wie wirkt sich das Einatmen der Vitamine aus?
Na eben sehr positiv. Also immer, wenn ich nach Hause fahre und vor die Tür trete. Wenn man in Wien ist, merkt man ja nicht, wie die Luft ist. Aber immer wenn ich in die Steiermark komme und rausgehe, dann denke ich mir jedes Mal – Ah, so könnte auch Luft sein. Ich tu so einen Atemzug und innerlich einen Jubelschrei würde ich sagen.
Wie verfolgen Sie die steirische Kunst- und Kulturszene, wie ist generell Ihr Blick auf das Land?
Letztens habe ich wieder irgendwo über das „Theater im Bahnhof“ gelesen. Da habe ich mich innerlich wahnsinnig gefreut, weil das waren unsere Heroes, als wir da die „Zeitgeister“ waren in Gleisdorf. Das „Theater im Bahnhof“ war für uns „Poah“, die können es wirklich. Und da gab es immer ganz tolle Produktionen. Und jetzt habe ich da irgendeine Theaterkritik gesehen und mir gedacht, „Hey, das ist wirklich toll“. Die gibt es jetzt schon so lange als kulturelle Institution in Graz und das finde ich richtig beeindruckend. Das etwas auch die ganze Pandemie überlebt hat. Das spricht sehr für die Qualität dieser Bühne. Ich war zwar jetzt lange nicht mehr dort, aber das waren echt unsere Helden. Und aufs Land generell: Manchmal mit Sorge natürlich, so wie wir inzwischen alle glaube ich, mit der Trockenheit und Klimawandel und Blablabla.
Wird der Blick auf das, woher man kommt, anders oder milder, je länger man weg ist?
Auf jeden Fall, ja, das glaube ich ganz fest. Das erste Mal habe ich so etwas wie Heimweh empfunden, als ich in England war. Da bin ich mit 18 hin. Natürlich, mit 18 will man nichts wie weg. Und dann ist man weg und denkt sich – „Ohhh, eigentlich war es zu Hause ganz schön“. Da ist es mir erst aufgefallen. Und als ich dann nach Wien kam und das Studium am Max-Reinhardt-Seminar gemacht habe. Ich glaube schon, dass man erst weggehen muss, um das mehr zu schätzen, was man an der Steiermark hat. Ich weiß nicht, ob ich es so schätzen würde, wenn ich jetzt immer zu Hause gelebt hätte. Der Mensch ist halt ein bisschen so. Ich bin zwar froh, hier und am Burgtheater zu sein und trotzdem fahre ich dann auch gerne nach Hause. Ich konnte das über die Jahre wirklich schätzen lernen, was das heißt – zu Hause sein, bei den Eltern sein – dort zu sein, wo man einfach sein kann, wie man ist.
Könnten Sie sich vorstellen, wieder in der Steiermark zu leben?
Ja, könnte ich mir durchaus vorstellen. Ja.
Eine Freundesrunde kommt zu Besuch in die Steiermark - an welche fünf Plätze würden Sie sie bringen?
Ich würde sie in die Raabklamm führen. Und dann zu einer Buschenschank in die Südsteiermark. Nach Graz natürlich. Unbedingt auch zum Frankowitsch. Und vielleicht noch in eine Therme.