Die Vinzenzgemeinschaft Bad Aussee ist ein eigenständiger Verein und besteht bereits seit mehr als zwölf Jahren. Das gemeinsame Ziel ist es, Menschen mit finanziellen Engpässen zu unterstützen. Dazu bietet der Sozialmarkt Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs an – um etwa 30 Prozent des ursprünglichen Preises, erzählt Markus Grieshofer, Obmann des Vereins. „Wir sammeln Lebensmittel bei Supermärkten ein, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben und nicht mehr verkauft werden können“, so der Bad Ausseer. Freilich werde die Ware genau kontrolliert, ob sie in Ordnung ist, bevor sie weiterverkauft wird.
Künftig soll die Ausseer Life Card als Einkaufsberechtigung gelten
Im VinziMarkt einkaufen dürfen Personen, die bis zur Höhe der Ausgleichszulage verdienen, das sind derzeit (2025) knapp über 1.200 Euro pro Monat. Bisher war es so, dass Berechtigte ihr Einkommen vorweisen müssen und damit eine Einkaufskarte bekamen. „Für heuer ist geplant, dass Besitzer einer Ausseer Life Card damit im Vinzi Markt einkaufen dürfen“, sagt Grieshofer. Die Ausseer Life Card wird von der Gemeinde ausgestellt und erfüllt dieselben Kriterien wie die Einkaufsberechtigung des VinziMarktes.
Der Heilige Vinzenz hat sich um die Armen und Bedürftigen gekümmert
1990 gründete Pfarrer Wolfgang Pucher die Vinzenzgemeinschaft Eggenberg – das sollte der Beginn der mittlerweile 35-jährigen Geschichte sein. Aus dieser Gemeinschaft sind bis heute 40 VinziWerke in ganz Österreich entstanden. Wolfgang Pucher ist 2023 im Alter von 84 Jahren verstorben. „Wir als Vinzenzgemeinschaft richten uns nach dem Gedanken des Heiligen Vinzenz. Er hat vorgelebt, sich um die Armen und Bedürftigen zu kümmern“, erklärt Markus den Gedanken hinter den VinziMärkten.
Markus erklärt: „Der VinziMarkt ist auf Spenden angewiesen, wir dürfen nicht zukaufen, sonst gelten wir nicht mehr als gemeinnütziger Verein“. Neben Lebensmitteln von den Supermärkten direkt spenden die Serviceclubs Lions und Rotary regelmäßig Grundnahrungsmittel, denn „die bleiben in den Supermärkten nicht übrig“. Darüber, wie auch über private Spenden freuen sich die Freiwilligen jederzeit und nehmen diese gerne im VinziMarkt entgegen.
Eine knappe Geldbörse erreicht heute auch die Mittelschicht
„Früher waren meist ältere Personen von Armut betroffen, heute geht es durch alle Schichten“, betont Markus. Vor allem Alleinerziehende würden mittlerweile sehr viele kommen. „Leider schämen sich die Leute nach wie vor, wenn sie im Vinzi Markt einkaufen“, nennt der Obmann die größte Herausforderung für die Ehrenamtlichen. Aufgrund des Datenschutzes ist es nämlich nicht möglich, etwa von der Gemeinde zu erfahren, wer gerade Unterstützung benötige. "Man kann das Angebot nur unterbreiten, die Leute müssen selbst den Weg zu uns finden", sagt Markus. Dabei hat der VinziMarkt nicht nur positive Auswirkungen auf die eigene Geldbörse: Dadurch, dass Lebensmittel verkauft werden, die bereits das Haltbarkeitsdatum überschritten haben und somit nicht mehr im Handel verkaufbar sind, trägt der Sozialmarkt auch zur Nachhaltigkeit bei. Anstatt Dinge wegzuschmeißen, können sich so noch viele Menschen daran erfreuen – selbstverständlich auf ihren Zustand überprüft.
Der VinziMarkt unterstützt auch soziale Projekte
In erster Linie deckt der VinziMarkt mit den Einnahmen seine Erhaltungskosten, etwa Miete und Strom. Wenn Geld übrigbleibt, spendet die Gemeinschaft an Personen, die akut Unterstützung benötigen, etwa für Behelfsmittel nach einem Unfall. Ansonsten fördert der VinziMarkt soziale Projekte, beispielsweise von der Lebenshilfe.
Für die Sozialgemeinschaft arbeiten ausschließlich Ehrenamtliche, derzeit seien das 28 Freiwillige. „Helfende Hände können wir immer gebrauchen“, betont Markus – Interessierte mögen einfach im VinziMarkt vorbeikommen.